Dachtragwerk über dem Eck des Winkelbaus wird wieder aufgebaut

Im Gegensatz zum Dachtragwerk des Schüttbaus, wo mehr Bausubstanz verloren gegangen ist, hat der relative gute Zustand des Dachwerks über dem Süd- und Westflügel eine zimmermannstechnische Sanierung ermöglicht, die auch nunmehr weitgehend abgeschlosssen ist.

Hingegen war das originale Dachtragwerk im Winkelbereich der beiden Flügel aufgrund jahrelanger Feuchtigkeitseinwirkung eingestürzt. Deswegen war dort die Beseitigung der originalen stark beschädigten Hölzer und die Aufbringung eines flachgeneigten Pultdachs geplant. Die originalen Teile sollten, soweit wiederverwendbar, eingelagert und für einen möglichen Wiederaufbau in ungewisser Zukunft aufbewahrt werden – wir berichteten in diesem Blogeintrag und unter Sicherung.

Beim Abtragen der eingestürzten Holzteile konnte aber durch die Zimmerei Hartmann festgestellt werden, dass diese in verhältnismäßig gutem Zustand waren und ein Wiederaufbau möglich wäre.

Bei dem Bereich des Dachtragwerks handelt es sich um eine einzigartige Konstruktion mit einem freitragenden Binder, der über 10,6 m Spannweite das Eck frei tragend überspannt. Insgesamt 4 sogenannte Schiftbinder (Schrägbinder) binden in diesen großen Binder ein.

Nach Beratung durch die Denkmalpflege und das Planungsbüro und nach umfassender Abwägung wurde vom Vereinsvorstand beschlossen, abweichend von der ursprünglichen Planung das Dachtragwerk im Winkelbereich sofort im Zuge der derzeitigen Bauarbeiten wiederaufbauen zu lassen.

Folgende Argumente sprachen dafür:

  • Es stellt die für das Denkmal geeignetste Maßnahme dar: Die historische Kubatur des Daches wird an dieser auch für die Fernansicht des Gebäudes entscheidenden Stelle wieder hergestellt; seine besondere Zimmermannskonstruktion bleibt erhalten.
  • Gleichzeitig stellt es die wirtschaftlich sinnvollste Maßnahme dar: Wenn dieser Wiederaufbau jetzt nicht erfolgen würde, wären Kosten für einen Unterstand für die wiederverwendbaren Teile sowie für ein Notdach in Form eines Pultdaches angefallen. Insgesamt gehen wir hierfür von mindestens 20.000 € aus, die als verlorene Kosten anzusehen wären. Es war unser Anliegen, diese vermeidbaren Kosten einzusparen. Gleichzeitig hätten die noch zusammenhängenden Binder des Dachtragwerks vollständig zerlegt werden müssen. Bei einem späteren Wiederaufbau wären zusätzlich umfassende Kosten für die Einarbeitung der dann verantwortlichen Zimmerei angefallen, die wir durch unsere jetzige Entscheidung ebenfalls einsparen: Denn die Zimmerleute der Zimmerei Hartmann, die die eingestürzten Teile abgenommen haben, können diese nun wieder aufbauen. Dadurch, dass nur eine kurze Zeit seit dem Abbau vergangen ist, sind den erfahrenen Zimmerleuten die konstruktiven Einzelheiten noch erinnerlich.
  • Zusätzlich haben wir mit dem Planungsbüro ALS (Würzburg) einen auf Denkmalsicherung und -sanierung spezialisierten Partner auf der Baustelle. Die Ingenieure von ALS analysieren das Gebäude seit 2009 und verfügen noch über Bildaufnahmen aus der Zeit vor dem Einsturz des Tragwerks.

Was die Kosten betrifft, gehen wir derzeit von zusätzlichen Bau- und Planungskosten von ca. 113.000 € aus. Dies lässt sich nicht abschließend abschätzen, da es sich, wie gesagt, um eine höchst komplexe Konstruktion handelt, deren Details sich vielfach erst bei der Wiedererrichtung vollständig erschließen werden.

Wir haben uns intensiv um weitere Fördermittel bemüht. Dennoch gehen wir bei dieser Maßnahme von erheblichen unvorhersehbaren Kosten aus, weswegen wir auch hierfür auf Ihre Unterstützung angewiesen sind.

Der Wiederaufbau des Dachttragweks ist absolut einzigartig, da es sich um eine Solitärkonstruktion handelt, die speziell für dieses Gebäude entworfen wurde. Was man bis vor Kurzem noch nicht für möglich gehalten hatte, wird jetzt in die Tat umgesetzt: Es werden bauzeitliche Holzteile wieder verwendet, die man noch vor Monaten als nicht sanierbar eingeschätzt hatte. Dies wird ein Riesengewinn für Öttershausen sein und wir freuen uns darauf, Ihnen dieses von Balthasar Neumann geplante und durch den Hofzimmermeister Leonhard Greising ausgeführte Meisterstück nach Wiederherstellung durch die Zimmerei Hartmann bald wieder zeigen zu können.

Eine Möglichkeit, dieses wiederaufgebaute Schmuckstück vor Ort zu bestaunen, werden unsere nächsten Führurungen sein: mit der VHS Volkach-Gerolzhofen am Samstag 18.7., am Balthasar-Neumann-Tag am Sonntag, 23. August und am Tag des offenen Denkmals am Sonntag 13. September 2026. Mehr Informationen erhalten Sie unter Veranstaltungen.

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